Die Bundesbank versucht über Geldschöpfung aus dem Nichts aufzuklären – vergeblich! Warum die „heißlaufende Druckerpresse“ nicht zu Inflation führt!

Banken sind Finanzintermediäre, die Geld von Sparern als Kredite an Investoren vermittelen. So steht es noch immer in den meisten Lehrbüchern und manchen Zentralbankpublikationen. Falsch: Die Banken schaffen das Geld selbst, das sie verleihen, klärt die Bundesbank die Journalisten und die Ökonomen auf. Nicht jeder lässt sich aufklären. Selbst manche der besten und einflussreichsten Wirtschaftsjournalisten weigern sich, liebgewordene Irrtümer abzustreifen. Drei Jahre nach der Bank von England hat sich nun auch die Bundesbank in ihrem Monatsbericht April prominent der Beseitigung sehr verbreiteter Irrtümer über das Banken- und Geldsystem gewidmet. Sie hat erkennbar, wie schon die Bank von England seinerzeit, zwei Ziele:  Zum einen will sie der zum Teil auf einem Missverständnis beruhenden Furcht begegnen, dass die massive Vermehrung des Zentralbankgeldes infolge ihrer Anleihekäufe zwangsläufig zu Inflation führen müsse. Zum anderen will sie Reformvorschlägen, die auf die Abschaffung des Geldschöpfungsprivilegs der Geschäftsbanken hinauslaufen, argumentativ begegnen können.

Der Schlusssatz ihres Haupttextes auf den es der Bundesbank anzukommen scheint, lautet: Zwischen dem Anstieg der Zentralbankguthaben und der breiten Geldmenge besteht kein mechanischer Zusammenhang. Die Vervielfachung der Zentralbankguthaben hat sich dementsprechend nicht in einer proportionalen Ausweitung der Geldmenge niedergeschlagen. Zentralbankgeld sind die Guthaben der Banken bei der Zentralbank. Davon gibt es derzeit extrem viel, weil die Europäische Zentralbank mit solchen Guthaben die Anleihen bezahlt, die sie den Banken abkauft. Mit Zentralbankgeld zahlen die Banken untereinander. In den Wirtschaftskreislauf gelangt es allenfallls in kleinen Dosen, in der Form von Bargeld, in das es die Banken jederzeit umtauschen dürfen. Die „breite Geldmenge“ ist das Geld mit dem wir bezahlen. In geringem Maße ist das Bargeld.  Mengenmäßig erheblich bedeutsamer ist das Buchgeld der Banken, also unsere Guthaben auf Bankkonten. Die Bundesbank erklärt, dass die Banken Buchgeld schaffen, wenn sie Kredit geben, oder wenn sie etwas kaufen. Sie schreiben dann der Kreditnehmerin oder dem Verkäufer neues, vorher nicht existierendes Geld auf dem Girokonto gut. Auf die Gegenseite der Bilanz kommt entweder eine verzinsliche Forderung an die Kreditnehmerin, oder der Vermögenswert, den die Bank erworben hat. Wenn eine Sparkasse eine Handwerkerin bezahlt, die bei ihr ein Konto hat, schreibt sie ihr den Rechnungsbetrag einfach gut.

Normalerweise bremst für die einzelne Bank die Notwendigkeit, genug Zentralbankgeld (Guthaben bei der Zentralbank) zu haben, die Ausweitung ihrer Kreditvergabe und damit ihre Geldschöpfung. Denn die Kreditkundin nimmt den Kredit auf, um jemand zu bezahlen, der meist ein Konto bei einer anderen Bank hat. Das Geld „fließt“ also sofort ab. Abfließen heißt im derzeitigen System: Die Bank muss eine andere Bank beauftragen, dem Überweisungsempfänger das Geld zu deren eigenen Lasten gutzuschreiben. Banken vergüten sich dafür untereinander mit Zentralbankgeld. Ein Kredit führt also zu einer Überweisung und um eine Überweisung zu einer anderen Bank zu tätigen, braucht ein Bank Zentralbankgeld, mit der sie die Empfängerbank dafür bezahlt, dass diese gegenüber dem Empfänger der Überweisung eine Verbindlichkeit eingeht (erhöhtes Giroguthaben). Die Mindestreserve, die oft als Geldschöpfungsbremse bezeichnet wird, hat in diesem ersten Schritt noch keine Bedeutung. Der Zentralbankgeldbedarf der kreditgebenden Bank beruht auf der Notwendigkeit das geschaffene Geld überweisen oder bar auszahlen zu müssen. Weiterlesen